Vom Small Talk zur Konversation

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juli 2005
Beruf und Chance

Überhaupt, Urlaube sind ein wunderbares Thema

Die Kunst des Small talks / Anlächeln und gleich loslegen / Besonders originell braucht man nicht zu sein

Von Kerstin Liesem

Eins vorweg: Besonders originell braucht man nicht zu sein. Besonders witzig auch nicht. Ein guter Schauspieler? Auch das nicht. Was aber muss man statt dessen können? Vom Türkei-Urlaub schwärmen, das Hamburger Nieselwetter beschimpfen, den heißen Kaffee preisen. Ja, und? Was weiter? Nichts weiter. Das ist im Prinzip alles. Das kann doch jeder! Offensichtlich nicht. Denn sonst hätten Annette Kessler, Gudrun Fey und Frank Naumann nichts mehr zu tun. So ist es aber nicht. Sie sind Kommunikationsprofis und verbringen viel Zeit damit, andere in die Kunst des Small talks einzuführen. In ihren Seminaren und mit ihren Büchern.

Über das Wetter plaudern? „Unbedingt“, rät Annette Kessler, Chefin der Agentur „Culture Talk“ in Konstanz. „Aber bitte keine Floskeln wie ‚schönes Wetter heute’.“ Dann doch lieber etwas poetischere Umschreibungen wie „Welch ein gleißendes Sonnenlicht heute. Das erinnert mich an das Licht in den Bergen.“ Und schwups ist man beim Bergwandern. Da ist das Thema Urlaub nicht mehr weit. Überhaupt, Urlaube sind ein wunderbares Thema, für den Small talk ausgezeichnet geeignet. Da kann man schwelgen: „Lupenreiner feiner weißer Sand, glasklares Wasser. Und erst dieser vollmundige Rotwein.“ Ein einziger Genuss! Und so weiter. Aber Vorsicht. Nicht zu dick auftragen. Vom sündhaft teuren Urlaub auf der Luxusjacht zu schwärmen ist eher unpassend. Zumindest wenn man weiß oder ahnt, dass sich das Gegenüber höchstens eine Pauschalreise nach Mallorca leisten konnte. „Angeberei ist tabu“, schärft Kommunikationstrainerin Kessler ihren Seminarteilnehmern ein.

 …Typische „Ice-Breaker“ sind laut Kessler auch Fragen rund um die Anreise. „War die Anfahrtsskizze in Ordnung? Haben Sie den Weg hierher sofort gefunden?“ Oder mit einem Schuss Selbstironie: „Ich habe mich total verfranst. Trotz Navigationssystem. Langsam verzweifle ich an der Technik!“ Das macht sympathisch und entspannt. Ist jedoch nicht für jede Situation geeignet: „Für den lockeren Aufwärm-Plausch mit der Sekretärin vor dem Vorstellungsgespräch besser nicht“, warnt die Fachfrau. Da können solche flotten Sprüche leicht nach hinten losgehen. „Um Gottes willen. Wenn der nicht einmal den Weg zu uns findet. Trotz Navigationssystem. Dann will ich gar nicht wissen, was er sonst noch alles nicht kann.“ Wem partout kein Eisbrecher einfällt, für den hat Kessler einen Tip: „Einfach die fünf Sinne einschalten.“ Sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen, und schon sei man raus aus der Sprachlosigkeit. „Tut dieser heiße Kaffee nicht gut bei diesem nasskalten Wetter?“ oder: „Ich habe mir unser Hotel ganz anders vorgestellt. Wie ist das denn bei Ihnen?“…

…polarisierende Themen wie Politik, Religion oder Sex sind absolut tabu für den Small talk. Finger weg auch von Klatsch und Tratsch, warnen die Experten. „Das ist niveaulos.“ Auch Berichte über schwere Krankheiten und Todesfälle seien „Gift“ für den Small talk. „Wenn aber die erste Phase des Kennenlernens schon nicht gelingt, dann ist eine Beziehung schwer aufzubauen“, sagt Kessler. Small talk sei eine Art „sozialen Lausen“ -, wichtig, um sich gegenseitig zu beschnüffeln und das Gegenüber abzuchecken.

Deshalb ist Small talk fundamental wichtig für die Karriere. Denn er ist die Basis für jeden Kontakt. Kontakte wiederum sind die Basis für den Erfolg….

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Culture Talk - Dr. Annette Kessler

Seminare für mehr Sicherheit auf dem gesellschaftlichen Parkett